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Fragen an Carlo

Tiertrainer mit Erfahrung

 

Was ist in deinen Augen ein Problemhund?

- Ein Problemhund ist eigentlich das Ergebnis eines Halters, der nicht gelernt hat, mit seinem Hund umzugehen...

 

Gibt es Ausnahmen?

- Klar, Ursprung und Genetik können eine Rolle spielen. Aber auch solch ein Hund wird nur zum Problem, wenn die Umstände nicht auf ihn abgestimmt werden.

Was würdest du sagen, ist das Hauptproblem heutzutage?

- Das Problem ist, dass durch die allgemeine Verwirrtheit, Trainer und Methoden entstanden sind, die fernab von jeglicher Logik und Realität arbeiten.

 

Was meinst du damit?

- Wenn mein 8-jähriges Kind auf der Strasse eine alte Dame anpöbelt und ich ihm dann Eiscreme in den Mund stecke oder abwarte, bis das Kind sich “irgendwann“ mal wieder anständig benimmt, um ihm dann zu sagen „Du bist aber ein gutes Kind.“ verstärke ich nicht nur das Verhalten, sondern lenke lediglich vom Problem ab oder ignoriere es. Die Ursache bleibt mir verborgen und ich erziehe ein Monster, das tun und machen kann, was es will.

 

Nach welcher Methode arbeitest du?

- Ich arbeite nicht nach Methoden, ich sehe mir den Hund und sein “eigentliches“ Problem an und löse es. Meine Arbeitsweise folgt dem natürlichen Umgang der Hunde untereinander und orientiert sich am ursprünglichen Verhalten von Carnivora. ES GIBT KEIN SYSTEM, JEDER HUND HAT SEINE EIGENEN PROBLEME UND DARAUF MUSS MAN DIE TRAININGSMETHODEN ANPASSEN. 

- Rangortnung / Rangreduktion
- Gewöhnung / Sozialisierung
- Aufbau
Man kann an einem aggressiven Hund nicht arbeiten wie an einem unsicheren, wie bei uns Menschen gibt es verschiedene Charaktere... Starke und schwache, danach ist das Training zu richten.

 

Du redest schon wieder vom Halter?

- Natürlich, der Halter ist die Ursache für das Problem, weil er entweder nicht versteht, was sein Hund ihm sagt, nicht weiss wie und wann er auf welche Art und Weise mit ihm kommuniziert oder durch das ganze Gerede von unzähligen pseudo Hundetrainern schon gar nicht mehr weiss, ob er jetzt: die Wasserflasche, das Leckerli oder den Klicker benutzen soll um die Symptome zu bearbeiten...ANSTATT bei den Ursachen anzufangen.

 

Das sind harte Worte, kann man das wirklich so einfach sehen?

- Ja und nein... Ja, weil es wie gesagt auf 95% zutrifft... Nein, weil es Ausnahmen gibt und dort wäre es unfair. Man muss den Einzellfall analysieren.

 

Wie sehen die Termine aus bei dir, wie gehst du vor?

- Nun, bei mir läuft das alles etwas anders. Es fängt damit an, dass ich nicht zeitlich begrenzt arbeite. Man kommt nicht in einen 60 oder 90 Minuten Termin, man kommt tageweise.

Es ist ein Unterschied ob man einen Hund „Erzieht“ (Gehorsam), oder ob man am Sozialverhalten arbeitet... Das ist auch der Grund warum viele Hundeschulen an „Problemhunden“ scheitern.

 

Das klingt alles ganz toll, aber gibt es Ausnahmen?

- Klar, das sind aber Sonderfälle, die man erst in der Analyse erkennt. Dort kommt es auch vor, dass mehrere Termine notwendig sind. Meist sind das dann Fälle, wo Genetik, Krankheit oder falsche Einflüsse im Welpenalter dem Hund zusetzen.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass viele Leute denken, es seien z.B. Erfahrungen aus dem Welpenalter, die ihren Hund “schwierig machen“. Dies entspricht aber nur in den seltensten Fällen den Tatsachen. Bei 95% der Problemhunde, die vorstellig werden, ist der Halter und der Umgang mit dem Hund das Problem.

Siehst du noch weitere Probleme?

- Ja, man muss seine Kompetenzen kennen, als Halter sowie auch als Trainer. Wenn ich 40 Kilogramm wiege, sollte ich mir vielleicht überlegen, ob ein 80 Kilogramm schwerer Mastif die richtige Entscheidung war... Genau so, wie man als Trainer über die Courage verfügen sollte, zu sagen: „Dieser Hund überfordert mich, gehen sie bitte zu jemandem, der kompetenter ist.“

 

Wie bekommt man am besten einen Termin bei dir?

Mit etwas Geduld... Ich bin trotz relativ ausgebuchtem Kalender sehr interessiert daran “zeitnah“ zu reagieren und schnellstmöglich mit dem Hund zu arbeiten, da jeder weitere Tag, den der Hundehalter eines problematischen Hundes warten muss, ein potenzieller Tag sein kann, an dem irgendetwas passiert, was nicht passieren sollte.

Training mit dem Problemhund funktioniert nicht?

 

Carlo erklärt euch warum…

In 70 % der fällen entsteht ein Problemhund aus Mangel an Sozialisierung in Welpen und Junghundealter.

Irgendwann kommt die Pubertät und die Hormone knallen.

Wir reden jetzt in diesem Beitrag nicht von Hunden die dominant sind und an Status-Aggression oder ähnlichem leiden, wir reden hier ganz bewusst vom unsicheren, unerfahrenen Hund.

Das einfachste Verhalten für ein Hund in einer Situation in der er überfordert ist, ist aggressives Verhalten.

Ein Hund der zu wenig sozialisiert wurde, gerät zwangsläufig im Alltag in Situationen die in Überfordern.

Nun passiert folgendes, der Hund greift im ersten Moment auf das einfachste Mittel zurück, nämlich die Aggression und geht nach vorne.

Das Problem dabei ist dass er mit diesem Verhalten auch noch Erfolg hat.

Gehen wir zum Beispiel davon aus dass, der Hund in einer Situation mit einem fremden Menschen gerade einen unsicheren Moment hat…

Er schnappt zu!

Was jetzt passiert löst das eigentliche Problem aus, denn der Mensch zieht sich zurück. Das ist eine völlig normale Reaktion aber im Hund wird damit ein falsches Verhalten programmiert:

Der Hund lernt, etwas verunsichert mich, ich beisse zu und das was mich verunsichert hat, geht weg…

Der Hund hat also in seinen Augen das Problem gelöst. Er speichert somit dieses Verhalten denn, es hat Erfolg gebracht.

Der Hund beginnt nun dies immer mehr auszubreiten, egal in welcher Situation er unsicher wird… Fängt er an zu schnappen. Es hat ja schon einmal funktioniert, also wird es dies wieder. Und selbstverständlich wird dieses Verhalten auch jedes Mal wieder belohnt denn egal was es ist, der Umstand entfernt sich vom Hund sobald er zu beisst…

Sei dies ein Mensch, ein anderer Hund, ein Fahrradfahrer… oder ein Auto, denn auch das Auto fährt weiter wenn man es anbellt…

Der Hund hat also in diesem Moment eine super Lösung für alle seine Probleme gefunden.

Jetzt kommen wir dazu, warum gewisse Trainingsmethoden hier nicht funktionieren.

Auf der Festplatte des Hundes ist das Verhalten gespeichert, gehen wir nun also hin und versuchen den Hund abzulenken, durch einen Ball oder zum Beispiel Futter, erreichen wir in diesem Moment zwar eine kurzfristige Ablenkung von der Situation, die den Hund verunsichert…. Trotzdem bleibt aber sein Erfolgsrezept gespeichert und die Unsicherheit vorhanden.

Zusätzlich blockiert die Fixierung auf das Futter / Spielzeug usw. den nötigen Denkprozess…

Warum? Ganz einfach, das Hirn ist nicht bei der Sache, oder besser gesagt… bei der falschen Sache

Ein Hund mit dem so gearbeitet wird, löst später in einer Situation in der er nicht abgelenkt wird genau gleich, mit dem selben verhalten wie früher aus… und beisst zu.

( dies ist keine wissenschaftliche Studie oder angelesener Nonsens, dies ist Erfahrung am Problemhund im echten Leben.)

Genau das gleiche gilt aber auch für Methoden, die den Hund lediglich für das zubeissen Strafen…

Der Hund wird dort zwar in der Situation abgestellt, dies bedeutet es wird ihm gesagt dass dies nicht mehr gemacht wird, aber es wird ihm danach nicht die Möglichkeit gegeben selbständig herauszufinden was er sonst machen könnte… man verbleibt nicht in der Situation und wartet ab, was der als nächsten Lösungsvorschlag präsentiert.

Bei solchen Trainingsmethoden passiert dann folgendes, der Hund beisst zwar in diesem Moment nicht mehr zu, der Hundetrainer schickt dich nach Hause mit den Worten: 

„ so der Hund ist repariert“

Du denkst im ersten Moment ja super, der Hund der nun zwar weiss dass er nicht mehr beissen darf, aber immer noch unsicher ist und nicht weiss wie er damit umgehen soll… wird früher oder später ins alte Verhaltensmuster zurückfallen ( er hat es gelernt und es hat funktioniert).

Was tun wir also nun?

Wichtig ist es dass zu erst einmal die Festplatte des Hundes gelöscht werden muss.

Dies bedeutet der Hund wird kontrolliert in die Situationen in denen der auslöst gebracht und darf dort „zubeissen…“

Allerdings bleibt diesmal der gewünschte Erfolg des Hundes aus, denn die Situationen sind gestellt und die Menschen und Hunde oder was auch immer, reagieren nicht so wie er es gewohnt ist.

Er lernt also als erstes ganz selbstständig, dass zubeissen sein Problem nicht mehr löst.

Natürlich kann es auch vorkommen, das ein Hund das bereits erlernte Verhalten nicht einfach „Kampflos“ aufgibt…

Je länger es „gelebt“ wurde um so mehr „Recht“ daran festzuhalten verspürt der Hund.

In einem solchen Fall, kann eine verhältnismässige Korrektur notwendig werden.

Nun haben wir die Festplatte gelöscht…

Was jetzt kommt ist die eigentliche Arbeit, der Hund muss in Alltagssituationen gebracht werden und lernen richtig damit umzugehen. Im Prinzip also das ganze Spektakel, welches man mit einem Welpen auch veranstalten würde…

Dies bedeutet, Kontakt mit Hunden, Kontakt mit Menschen und sämtliche Alltagssituationen die man halt so durchlebt…

Das ganze natürlich kontrolliert und mit einem Auge darauf dass der Hund diesmal, ein für die Gesellschaft taugliches Verhalten entwickelt.

 Festplatte neu programmiert…

Der Grund warum dies der einzige Weg ist der funktioniert, ist, dass der Hund selbstständig lernt, dass sein Verhalten nicht mehr zum Ziel führt. Keine Kommandos, kein vorgegebenes Alternativverhalten… sondern echte eigenständige Lernerfahrung.

Nur wenn der Hund selber lernt dass etwas nichts mehr bringt und dann selbstständig ein Alternativverhalten entwickelt mit der Situation umzugehen, kann sichergestellt werden dass der Hund nicht mehr zubeisst..

Denn… Er hat sein neues Sozialverhalten, selbst erfunden und braucht die ständige Kontrolle oder Ablenkung durch den Halter nicht…

(Zitat:“ ich habe gerade nicht geschaut, darum hat er gebissen“)

Er entwickelt somit seine ganz eigene Lösung für Probleme.

Es gibt Leute die sagen, der Hund verfalle dann in Hilflosigkeit.

Für wie dumm müssen diese Leute die „angeblich so wertgeschätzten“ Hunde halten(?)

Hunde können denken!

Warum sind wir so gegen Futter oder Ablenkung in solchen Situationen???

Weil der Hund sich nicht mit dem Situation auseinandersetzt sondern in diesem Moment nur das Futter oder Ablenkung im Kopf hat und keine Lernerfahrung entsteht.

Und nein, nicht: „ aber Studien haben bewiesen“…

Problemhunde sind eben nicht Problemhunde, weil sie in 0815 Studien Muster passen.

Studien haben auch bewiesen, dass die meisten Menschen keine Bank überfallen… Das interessiert aber im Einzelfall den Bankräuber nicht.

Und genau das ist jeder individuelle Problemhund, ein „Bankräuber“…

Nein!“Ein Einzelfall“ der als solcher behandelt werden muss.

„Kann“ der Hund ohne Ablenkung bei dieser Methode nicht:“ Stress, Unwohlsein oder gar Angst empfinden???“

- Natürlich, kann das mal sein, aber das hat er so oder so… Er lebt ja bereits in seinem Alltag der ihn Stresst oder verunsichert…

24 Stunden am Tag… Bei jeder Begegnung mit Hunden, Menschen, Autos, usw.

DAS ist ja der Grund warum der Hund im Alltag zubeisst.

Könnte man den Hund nicht einfach von allem fernhalten was ihn stresst?

-Natürlich könnte man das, würde aber bedeuten das manche Hunde dann, nur noch in der Wohnung leben, ohne soziale Kontakte und Eindrücke der Umwelt…

Artgerecht?

- Nein, es ist sogar gegen das Gesetz…

Ein Hund der seine Patentlösung „BEISSEN“ erfunden, gespeichert und jederzeit wieder abrufbereit hat. Selbst wenn man diese Patentlösung durch Strafe, Futter, oder Ablenkung „ Überdeckt“ , ist KEIN reparierter Hund!

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